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Was ist der NFL Draft und wie funktioniert er wirklich. Der große Guide 2026

Neun Picks, Pick 23, vier Comp-Picks. Der komplette Guide zum NFL Draft 2026: Regeln, Rookie-Gehälter, Trades und die Eagles-Lage.

·11 Min. Lesezeit·
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Zwei Wochen noch. Dann steht Roger Goodell vor einer Bühne direkt am Ufer der Allegheny River, im Rücken das Acrisure Stadium, vor ihm eine Menge in Steelers-Schwarz, Eagles-Grün, Giants-Blau. Es ist die erste Sekunde von Runde 1, und irgendwo in einem abgedunkelten Raum in South Philadelphia schwitzt Howie Roseman in sein Hemd. Neun Picks, Erstrunder Nummer 23, die vierte Comp-Pick-Ernte seiner Karriere. Wenn sein Telefon klingelt, hat er genau neunzig Sekunden, um Ja oder Nein zu sagen.

So sieht der NFL Draft 2026 aus, wenn man ihn auf das reduziert, was er wirklich ist: ein dreitägiger Glücks-und-Strategie-Poker mit Milliarden an Folgekosten. Und trotzdem schalten Millionen Menschen weltweit ein, weil drei Tage April mehr über die nächste Saison entscheiden als alle Free-Agency-Unterschriften zusammen. Wer Howies 2026er Draft verstehen will, muss verstehen, wie das ganze System tickt.

Dieser Guide ist der Einstieg. Grundregeln, Reihenfolge, Rookie-Gehälter, Compensatory Picks, die wichtigsten Trade-Mechanismen, und am Ende: Wo die Eagles mit ihren neun Karten tatsächlich stehen. Kein Einsteigerkurs, keine Blitz-Erklärung. Fortgeschrittene Fanbase, fortgeschrittener Stoff.

Das Grundprinzip: Schlechte Teams zuerst, und es gibt einen Grund

Die Reihenfolge jedes Drafts folgt einer einzigen Logik: Wer schlecht war, picks zuerst. Das Team mit dem schlechtesten Record der Vorsaison bekommt Pick 1, der Super-Bowl-Champion Pick 32. Bei gleichem Record entscheidet der Strength of Schedule, also die Härte des Spielplans. Wer auf dem Papier leichter hatte, pickt zuerst.

Diese Regel ist keine Laune. Sie geht zurück auf eine Besitzerversammlung im Mai 1935 in Pittsburgh, auf der Eagles-Co-Owner Bert Bell den anderen acht Clubs erklärte, dass die Liga so nicht weiterexistieren könne. Die Bears und die Giants sammelten jedes Jahr alle guten College-Spieler ein, weil sie am meisten Geld boten, während Philadelphia und Pittsburgh absoffen. Bells Vorschlag: Umkehrung. Die Schlechten bekommen zuerst Zugriff. Die Besitzer stimmten einstimmig zu. Aus diesem Gedanken entstand der Draft, und er ist bis heute der Grund, warum die NFL kompetitiver ist als jede andere amerikanische Profiliga.

Das Ergebnis 2026: Sieben Runden, 257 Picks, verteilt auf die 32 Teams plus Compensatory-Extras, und der allerletzte Pick heißt nach alter Tradition "Mr. Irrelevant". Brock Purdy, den alle als Running Joke behandelten, war 2022 dieser Pick. Zwei Jahre später stand er im Super Bowl LVIII. So viel zur Vorhersagbarkeit.

Runde 1: Die harten zehn Minuten

Tag 1, Donnerstag 23. April, 20 Uhr Ostküstenzeit. Die erste Runde ist Showbiz. Jeder der 32 Picks bekommt zehn Minuten Bedenkzeit, die meisten Teams brauchen nicht annähernd so lang. Wer früh pickt, hat seinen Namen seit Wochen auf der Liste. Wer spät pickt, schaut zu, wie die anderen die besten Quarterbacks und Edge-Rusher wegnehmen, und hofft, dass ein Spieler fällt, den sie höher bewertet hatten.

Geld fließt automatisch nach einer Tabelle. Die Rookie Wage Scale, 2011 im Collective Bargaining Agreement eingeführt, koppelt jeden Pick an einen festen Vertrag. Pick 1 bekommt rund 48 Millionen Dollar über vier Jahre, voll garantiert. Pick 23 liegt bei etwa 16 Millionen. Pick 32 bei 14. Keine Verhandlungen, keine Holdouts, kein Sam-Bradford-Drama wie 2010, als Bradford als Nummer 1 noch 50 Millionen garantiert verlangen durfte. Diese Zeiten sind seit 13 Jahren vorbei.

Das Extra für die Erstrunder: die Fifth-Year Option. Das Team kann nach vier Jahren einseitig ein fünftes Vertragsjahr ziehen, zu einem festen Satz aus derselben Tabelle. Genau das hat Howie bei Jalen Carter 2023 eingeplant, Jordan Davis 2022, und bei DeVonta Smith 2021. Das ist der Grund, warum ein Erstrundenpick in der heutigen NFL mehr wert ist denn je. Fünf Jahre Premium-Spieler zu einem Bruchteil des Marktpreises. Die Cowboys der 90er hätten dafür getötet.

Wer am 23. April auf den Eagles-Pick wartet, wartet auf den 23. Namen an diesem Abend. Jimmy Kempski von PhillyVoice hat sich schon seit Monaten durch die Boards gearbeitet und fünf Prospects rausgepickt, die für die Eagles auf Pick 23 realistisch sind.

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Runde 2 und 3: Wo Roster wirklich gebaut werden

Tag 2, Freitag 24. April, 19 Uhr. Rounds 2 und 3 laufen hintereinander an einem Abend, fünf Minuten pro Pick. Wer in Runde 1 auf Instinkt geht, weil alle Scout-Ranglisten der Welt dieselben drei Namen oben stehen haben, trennt sich hier von den anderen. In Runde 2 zeigt sich, ob dein Scouting-Department wirklich Film geschaut hat.

Für die Eagles ist das ein historischer Sweet Spot. Cooper DeJean, zweiter Pick der Eagles 2024, Runde 2, Pick 40. Im Super Bowl LIX gegen Kansas City fängt er einen Patrick-Mahomes-Pass ab und trägt ihn bis in die End Zone. Pick-Six, Super-Bowl-Bühne, Rookie-Jahr. Das ist der Ertrag von Runde 2. DeVonta Smith kam 2021 noch in Runde 1, aber Jalen Hurts selbst war 2020 ein Zweitrundenpick auf Position 53. Reed Blankenship, Starting Safety im LIX-Sieg, war gar nicht gedraftet. Undrafted Free Agent, 2022.

Das ist kein Zufall. Das ist die Philly-Scout-Schule. Roseman traded in Runde 2 und 3 öfter als fast jeder andere General Manager. Kempski hat die Zählung für den 2026er Zyklus schon vor Draft-Tag veröffentlicht.

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Sechs Trades, die allein die 2026er-Picks betreffen, noch vor dem Draft selbst. Und das Telefon wird in Pittsburgh nicht still sein.

Runde 4 bis 7: Samstag-Marathon

Tag 3, Samstag 25. April, 12 Uhr mittags. Runde 4 bis 7 rauschen im Fünf-Stunden-Block durch. Vier Minuten pro Pick, Teams lesen Namen wie am Fließband. Hier werden Special-Teams-Monster, Backup-Linemen und Project-Quarterbacks geholt. Und ja, auch Hall-of-Famer. Tom Brady in Runde 6 im Jahr 2000. George Kittle in Runde 5 im Jahr 2017. Shannon Sharpe in Runde 7 im Jahr 1990.

Wer den Samstag gut nutzt, spart Millionen in Free Agency. Wer ihn vermurkst, sitzt zwei Jahre später mit einer Positionslücke da, die ein 15-Millionen-Cap-Hit auf dem Markt kostet. Für die Eagles ist der Samstag 2026 besonders dicht besetzt. Picks 114, 137, 153, 178 und 197 liegen alle an diesem Tag. Fünf Karten in drei Runden. Howies Lieblingsterrain.

Compensatory Picks: Die Belohnung fürs Geduldig-Bleiben

Jetzt wird es technisch. Compensatory Picks sind zusätzliche Draft-Picks, die Teams am Ende von Runde 3 bis 7 bekommen, wenn sie in der vorherigen Free Agency mehr hochwertige Spieler verloren haben, als sie verpflichtet haben. Eine Formel aus Vertragswert, Snap-Counts und Postseason-Awards rechnet die Bilanz durch. Das Ergebnis: bis zu vier Extra-Picks pro Team, mehr nicht.

Und genau das Maximum haben die Eagles 2026 eingesammelt. Josh Sweat ist nach Arizona für viel Geld, Milton Williams nach New England für sehr viel Geld, Mekhi Becton, Kenneth Gainwell und andere sind durch die Welt verstreut. Die Formel hat ausgespuckt: Pick 98 (Ende Runde 3), Pick 137 (Ende Runde 4), Pick 178 (Ende Runde 5), Pick 215 (Ende Runde 6). Vier Picks für Spieler, die das Team nach dem Super-Bowl-Sieg sowieso nicht halten wollte.

Philadelphia teilt sich die Spitze mit Baltimore und Pittsburgh, beide ebenfalls mit vier Comp Picks [1]. Anders gesagt: Die drei Teams, die am besten drafteten und halten mussten, wurden am härtesten von der Free Agency getroffen. Und werden am großzügigsten dafür belohnt. Howies Strategie ist kein Zufall. Sie ist ein System, das er seit Jahren durchzieht.

Trades: Das Herzstück des Drafts

Was den Draft wirklich in ein Spektakel verwandelt, sind die Trades. Teams dürfen Picks tauschen, kombinieren, nach vorne und nach hinten schieben, aktuelle Jahrgänge gegen zukünftige tauschen. Manchmal passiert das während die Uhr läuft, mit sekundenlangen Entscheidungen in einem Raum voller Kaffee und schlechter Beleuchtung.

Howie Roseman hat seit 2015 mehr als 50 Draft-Day-Trades durchgezogen. Ein extremer Wert im NFL-Schnitt. Der bekannteste Move der letzten Jahre: 2023 in Kansas City. Die Eagles saßen auf Pick 10 und sahen, wie Jalen Carter, den halb Philly als Top-5-Talent bewertet hatte, auf Pick 9 fast zur Chicago ging. Howie tradete einen vierten Runden-Pick aus 2024 dazu und sprang einen Platz nach oben auf Pick 9. Carter war plötzlich Eagle. Ein Slot, ein Viertrundenpick, und ein Spieler, der zwei Jahre später den Trenches der besten Defense der NFL prägte [2].

Noch berühmter ist der 2016er-Deal. Eagles gaben Pick 8, Pick 77, Pick 100, dazu einen 2017er Erstrunder und einen 2018er Zweitrunder. Dafür bekamen sie Pick 2 und einen 2017er Viertrunder von Cleveland. Carson Wentz wurde mit Pick 2 ausgewählt. Zwei Jahre später hielt Nick Foles die Lombardi-Trophäe, und Howie Roseman bekam den Spitznamen "Fat Magic Man". Pars pro toto für seine Philosophie: Wenn du den Spieler willst, zahlst du den Preis [3].

Wie Front Offices solche Trades mathematisch bewerten, ist ein eigenes Thema. Jimmy Johnson hat in den 90ern die erste Chart gemacht, Rich Hill hat sie 2017 überarbeitet, und heute arbeitet jedes NFL-Front-Office mit beiden. Darüber gibt es in dieser Serie einen eigenen Artikel, weil es zu groß ist, um es hier abzuhaken.

Wer überhaupt in den Draft darf

Nicht jeder College-Spieler darf in den Draft. Die Regel geht zurück auf das Maurice-Clarett-Urteil: Ein Spieler muss mindestens drei Jahre nach seinem High-School-Abschluss vergangen sein, bevor er draft-eligible ist. Die meisten Prospects kommen nach vier Jahren College in die Liga, manche nach drei Jahren plus Redshirt, ein paar nach fünf.

Dazu kommen internationale Spieler über das International Player Pathway Program. Deutsche O-Liner aus Frankfurter Galaxy-Zeiten, australische Rugby-Punter, die für die Combine-Einladung extra nach Florida umziehen. Diese Spieler gehen selten durch den klassischen Draft, sondern kommen über Practice-Squad-Ausnahmen ins Rosterleben. Mit Jordan Mailata, der heute die linke Tackle-Position der Eagles besetzt, hat Philadelphia das System wie kaum ein anderes Team ausgenutzt. Mailata war 2018 ein Siebtrundenpick aus Sydney, Rugby-Hintergrund, hatte keinen einzigen College-Snap gespielt, und ist jetzt einer der am besten bezahlten Linke-Tackles der Liga. Der beste Pick in Runde 7 der jüngeren Eagles-Geschichte.

Pittsburgh 2026: Heimkehr nach 78 Jahren

Der Ort. 23. bis 25. April, Pittsburgh. Zum ersten Mal seit 1948 [4]. Die Bühne steht auf der North Shore direkt vor dem Acrisure Stadium. Der Fan-Bereich, die sogenannte NFL Draft Experience, füllt den Point State Park in Downtown, wo sich Monongahela und Allegheny zum Ohio treffen. Zwei Ufer, ein dreitägiges Festival, und dazwischen eine Stadt, die sich vom Stahl-Verfall der 80er längst zum Tech-Hub gehäutet hat.

Zeiten: Donnerstag 23. April, 20 Uhr Ostküstenzeit (2 Uhr Freitagmorgen deutsche Zeit), Runde 1. Freitag 24. April, 19 Uhr (1 Uhr Samstagmorgen), Runde 2 und 3. Samstag 25. April, 12 Uhr mittags (18 Uhr deutsche Zeit), Runde 4 bis 7 am Stück. Übertragung auf NFL Network, ABC, ESPN und ESPN Deportes live, und der NFL+-Stream ist für deutsche Zuschauer die sauberste Option, wenn DAZN ein Loch lässt [5].

Der Eintritt auf dem Point State Park ist frei. Wer hin will, muss sich nur über die NFL OnePass App registrieren. Kein Ticket, kein Einlasskampf. Für Eagles-Fans aus Deutschland ist das natürlich trotzdem eine Sache: Flug nach Pittsburgh, Hotel an der North Shore, Jetlag. Aber ein Eagles-Fan, der schon mal einen Sommer im Linc verbracht hat, weiß genau, ob die Reise sich lohnt.

Die Eagles 2026: 9 Picks, Pick 23, maximaler Hebel

Für die Birds sieht der 2026er-Draft so aus, wie andere Front Offices im Schlaf davon träumen. Die komplette Pick-Liste nach aktuellem Stand: 23 (Runde 1), 54 (Runde 2), 68 (Runde 3), 98 (Runde 3 Comp), 114 (Runde 4), 137 (Runde 4 Comp), 153 (Runde 5), 178 (Runde 5 Comp), 197 (Runde 6) [6].

Neun Karten in einem Draft, der als talent-tief gilt. Das heißt konkret: Move-Up von Pick 23 in die Mitte der ersten Runde, wenn ein Edge-Rusher wie Rueben Bain fällt? Geht. Package aus Pick 54 und Pick 98 für einen frühen Zweitrunder 2027? Geht auch. Neun Mann draften, das Roster verjüngen und für den Vor-Cap-Crash 2027 resetten? Ebenfalls auf dem Tisch.

Reuben Frank von NBC Sports Philadelphia hat es im Podcast mit seinen Kollegen zuletzt auf den Punkt gebracht: kein NFC-Team geht mit mehr strategischer Flexibilität in dieses April-Wochenende als die Eagles [7].

Fünf offene Positionsgruppen. Neun Picks. Vier Compensatory Geschenke. Und Howie als Schachspieler in einem Feld, in dem die meisten GMs Dame spielen. Das ist die Ausgangslage, 14 Tage vor Pittsburgh.

Was in dieser Serie noch kommt

Ab heute liest du in den nächsten zwei Wochen täglich einen neuen Teil. Morgen: 90 Jahre Draft-Historie, warum Bert Bell das Ganze in einem Hotel auf der Chestnut Street erfunden hat, und warum sein Vater der eigentliche Grund war, dass der erste Draft im Ritz-Carlton stattfand. Übermorgen: Wie Trades mathematisch funktionieren, warum Howie die Charts von Jimmy Johnson UND Rich Hill in seinem Büro liegen hat, und welcher Deal der ungerechteste der NFL-Historie ist. Danach: Die Draft-Bibeln von Fran Duffy und Dan Brugler, Eagles-Hits und -Busts, Mock-Consensus, Rückblick 2023 bis 2025, Eagles-Needs, Visit-Report, und ganz am Ende das Eagles-Style-Food-Menü für Draft Day.

Zwei Wochen. Dann steht Roger am Mikro, spricht langsam wie immer den Satz aus, auf den alle warten: "With the 23rd pick in the 2026 NFL Draft, the Philadelphia Eagles select…" Und dann gibt es einen Namen, den wir in zwanzig Jahren entweder in die Hall of Fame begleiten oder mit Marcus Smith und Danny Watkins in einer Liste verspotten werden. So funktioniert der Draft. Ohne Garantie, mit Vollgas, auf Messers Schneide.

Go Birds. Auf in den April.

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