Es gibt zwei Schubladen im Eagles-Draftschrank, und wer die Mannschaft ernsthaft lieben will, muss in beide schauen. Oben liegen die Bronzebüsten in Canton. Unten liegen die Trikots, unter denen Karrieren aus den unterschiedlichsten Gründen nie die Flugbahn erreicht haben, die alle erwartet hatten. Verletzungen. Lebensereignisse, die niemand in einem Scouting Report aufschreiben kann. Scheme-Brüche. Führungswechsel. Manchmal einfach ein falsches Match. Dazwischen, irgendwo auf der Mitte, spielt sich die ganze Franchise-Geschichte ab.
Fünf Tage bis Pittsburgh. Bevor wir über Pick 23 reden, lohnt es sich, einmal durchzuatmen und anzuschauen, was die Eagles in neunzig Jahren NFL-Draft eigentlich zusammengelegt haben. Die Hits. Die Enttäuschungen. Und das, was dazwischenkam.
Die Canton-Liga. Wer über Philadelphia nach Ohio wanderte
Die Eagles haben zehn Hall-of-Famer gedraftet, die auch tatsächlich das Trikot getragen haben. Das ist keine absurde Quote für eine Franchise, die seit 1933 im Geschäft ist, und sie verteilt sich erstaunlich schön über die Dekaden.
Steve Van Buren, 1944, Runde 1, Pick 5. Der erste. Van Buren kam aus LSU, spielte acht Jahre in Philly, holte fünfmal den Rushing-Titel und führte die Eagles 1948 und 1949 zu den NFL-Championships. Canton-Einzug 1965, als erster Eagle überhaupt. Wenn du wissen willst, warum es einen Running-Back-Glauben in dieser Stadt gibt, der von Wilbert Montgomery über Brian Westbrook bis zu Saquon Barkley reicht, dann fängt die Spur bei Van Buren an.
Chuck Bednarik, 1949, Bonuspick. Der Mythos. Erst der letzte Sixty-Minute-Man, also der letzte NFL-Profi, der als Offensive- und Defensive-Player komplette Spiele durchgezogen hat. Dann der Mann, der im 1960er Championship gegen die Packers mit einem Tackle auf Jim Taylor die Uhr herunterlaufen ließ, bis der Titel in Philly war. Und der Hit auf Frank Gifford, den jeder Fan kennt. Hall of Fame 1967, Eagles-Legende für immer.
Pete Pihos, 1945, Runde 5. Ein End aus Indiana, der auf beiden Seiten des Balls spielte, sechsmal All-Pro war und mit Van Buren die Championship-Jahre 1948 und 1949 trug. Runde 5. Der Draft war damals ein anderes Biest, aber die Geschichte zählt.
Tommy McDonald, 1957, Runde 3. Der kleinste Wide Receiver der Liga, der Bälle fing, als würden sie ihm privat geschickt. McDonald war Teil des 1960er Championship-Teams, hatte sechs Pro Bowls und sorgte 1998 in einer der denkwürdigsten Canton-Reden überhaupt für einen Moment Gänsehaut, als er seine eigene Büste feierte wie ein kleines Kind.
Sonny Jurgensen, 1957, Runde 4. Gleicher Draft wie McDonald. Andere Geschichte. Jurgensen spielte in Philly hinter Norm Van Brocklin, wurde nach dem 60er Titel zur Nummer eins und lieferte eine der besten Quarterback-Saisons der Fünfzigerjahre ab. Den Großteil seines Canton-Materials produzierte er später in Washington. Trotzdem: in Runde 4 gedraftet.
Bob Brown, 1964, Runde 1, Pick 2. Vielleicht der beste reine Offensive Tackle, den die Eagles je gedraftet haben. Ein Mann, der die Gegner am Schnurrbart durch die Bahn schleppte und der in Philadelphia fünf Jahre blieb, bevor ihn ein Trade nach Los Angeles brachte. Canton 2004.
Harold Carmichael, 1971, Runde 7, Pick 161. Der spätrundige Glücksfall, den die Franchise in neunzig Jahren zweimal gezogen hat. Sechs-Fuß-acht-Receiver aus Southern, der am Anfang kaum spielte und zwischen 1973 und 1980 einer der zerstörerischsten Wideouts der Liga wurde. 79 Touchdowns als Eagle. Centennial Class 2020. Siebte Runde.
Reggie White, 1984, Supplemental Draft. Technisch korrekt war das kein normaler College-Draft, sondern der USFL-und-CFL-Supplemental-Draft. White kam aus Memphis von den Showboats, spielte sechs Jahre in Philly, ging 1993 nach Green Bay. Canton 2006. Die Eagles haben sich nie wirklich davon erholt, ihn ziehen zu lassen.
Brian Dawkins, 1996, Runde 2, Pick 61. Weapon X. Der Safety, der eine Stadt zusammenhielt. 2018 Canton-Einzug. Über Dawk muss hier eigentlich nichts mehr geschrieben werden, den gibt es im Ring of Honor, auf dem Statue-Platz vor dem Linc und in jeder Philly-Kindheit seit 1996.
Eric Allen, 1988, Runde 2, Pick 30. Der neueste Eagle in Canton. Allen wurde in seinem neunzehnten Jahr der Eligibility endlich gewählt, Class of 2025, Zeremonie im August letzten Jahres. Sechs Pro Bowls, fünf davon als Eagle, 54 Interceptions, acht davon Pick-Sixes [1]. Wenn ihr euch fragt, warum Cornerback-Drafts in Philly immer eine Nummer zu groß behandelt werden, dann auch wegen Eric Allen.
Zehn Hall-of-Famer, drei davon aus Runde 4 oder später. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite. Karrieren, die anders verliefen als gedacht
Jetzt die Namen, bei denen Fans auf einem Barhocker schlucken. Aber bevor wir ranken: Das sind Menschen. Jede dieser Geschichten hat einen Grund, und die Gründe liegen selten allein auf dem Feld. Verletzungen. Lebensereignisse. Coaching-Wechsel. Falsches Scheme. Manchmal einfach falsche Erwartungen an einem falschen Tag.
Kevin Allen, 1985, Runde 1, Pick 9. Offensive Tackle aus Indiana. Eagle für eine Saison. Seine Karriere endete nicht wegen Football, sondern weil ihn sein Leben außerhalb des Spielfelds eingeholt hat. Im Sommer 1986 wurde Allen wegen einer schweren Straftat verurteilt und zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Eagles trennten sich von ihm. Es ist eine Geschichte, die man nicht unter Draft-Analyse ablegen kann, sondern unter Lebensgeschichte. Was man daraus für den Draft mitnehmen kann: Scouting ist mehr als Tape und Combine. Wer den Menschen nicht liest, riskiert mehr als einen Pick.
Mike Mamula, 1995, Runde 1, Pick 7. Der Combine-Warrior. Boston-College-Defensive-End, der beim Combine Bestmarken zerlegte und die Liga erstmals darüber diskutieren ließ, ob Tests in Shorts die Draft-Boards bewegen dürfen. Fair gesprochen: Mamula war nicht so schlecht, wie sein Ruf behauptet. 31,5 Sacks in 77 Spielen. Das wären heute solide Rotation-Zahlen, keine Top-7-Erwartungen [2]. Dass er als Bust gilt, hat zwei Gründe. Erstens die Top-7-Platzierung im selben Draft, in dem mit Warren Sapp, Derrick Brooks und Curtis Martin noch Spieler auf dem Board lagen, die Canton geschafft haben. Zweitens eine Karriere, die durch Kniefragen und Muskelverletzungen früher endete, als sein Körper eigentlich hergegeben hätte. Der Mythos vom überbewerteten Combine-Warrior bleibt ihm, die Zahlen erzählen eine andere Hälfte.
Jerome McDougle, 2003, Runde 1, Pick 15. Hier ist "Bust" das falsche Wort. Defensive End aus Miami, Trade-Up-Pick, mit allen sportlichen Hoffnungen versehen. Im Juli 2005 wurde McDougle in Florida bei einem Raubüberfall in den Bauch geschossen. Er überlebte knapp, spielte später noch für die Eagles und die Giants, aber seine Karriere konnte nach dieser Verletzung und dem monatelangen Reha-Prozess nie die Flugbahn aufnehmen, die vorgesehen war. Wer McDougle als Fehlgriff einsortiert, macht es sich zu einfach. Er war ein Opfer. Seine Geschichte gehört in einen Ordner über Glück und Pech im Leben, nicht in einen über Scouting-Fehler.
Danny Watkins, 2011, Runde 1, Pick 23. Guard aus Baylor, der schon 26 Jahre alt war, als er in die Liga kam, und der offen zugab, dass ihn Feuerwehrmann mehr interessierte als Football. 18 Starts in zwei Jahren, verlor seinen Job an einen Sixth-Round-Pick, ging zurück zur Feuerwehr. 168 Picks später wählten die Eagles im selben Draft Jason Kelce [3]. Der Grund für Watkins' Scheitern war kein sportlicher, sondern ein biografischer. Er hat Football spät entdeckt, stand als Rookie schon kurz vor dem Alter, in dem andere Guards in die zweite Vertragsphase gehen, und seine Leidenschaft lag woanders. Watkins macht heute das, was er wirklich wollte. Das ist nicht tragisch, das ist ehrlich. Für die Eagles bleibt die Lehre: Motivation und Altersprofil sind Teil der Draft-Gleichung, nicht Fußnote.
Marcus Smith, 2014, Runde 1, Pick 26. Die vielleicht lehrreichste Geschichte auf dieser Liste, weil sie nicht nur Football ist. Defensive End aus Louisville, im College 14,5 Sacks in der Senior-Saison 2013 und Third-Team-All-American. Chip Kelly wollte ihn, die Mehrheit der Draft-Community hatte ihn als späteren Tag-Zwei-Spieler. Drei Jahre in Philly, kein Start, vier Sacks in 37 Spielen. Acht Picks später zogen die Cowboys DeMarcus Lawrence. Am 26. Juli 2017 wurde Smith in Philly gecuttet.
Zwei Tage später unterschrieb er in Seattle. Und plötzlich passte das Bild. Am 1. Oktober 2017, nach einer Nackenverletzung von Cliff Avril, wurde Smith in die Starting Rotation geschoben und lieferte das mit Abstand beste Spiel seiner NFL-Karriere ab: eineinhalb Sacks und ein Forced Fumble gegen Jacoby Brissett und die Colts [4]. Seattle hielt ihn 2018, Washington nahm ihn später auf. Kein Pro Bowler, klar. Aber in einem anderen Scheme, mit anderer Rolle und weniger Draft-Druck wurde plötzlich sichtbar, was unter dem Eagles-Etikett nie Luft bekam.
Smith selbst hat in den Jahren danach über seine Zeit in Philadelphia offen gesprochen. Über den psychischen Druck, in einem Markt wie Philly als Erstrundenpick zu scheitern, über Depression, über den Weg zurück zu sich selbst. Heute engagiert er sich öffentlich für Mental-Health-Arbeit bei jungen Athleten [5]. Wer Marcus Smith heute nur unter Bust einsortiert, liest die halbe Geschichte. Die andere Hälfte handelt von einem jungen Mann, der in einem System landen musste, das ihn wollte wie er war, nicht wie ein Schema ihn brauchte, und der aus dem Ganzen eine Arbeit gemacht hat, die über Football hinausreicht.
Für die Eagles-Seite der Geschichte bleibt die Lehre: Chip Kelly hatte ein sehr spezifisches Bild davon, wie ein 3-4-Outside-Linebacker auszusehen hat, und Smith sollte diesen Platz füllen. Als Kelly Ende 2015 ging und die Defense unter Jim Schwartz auf eine reine 4-3 umgestellt wurde, verlor Smith nicht nur seine Rolle, sondern seinen ganzen Kontext. Systemwechsel sind für junge Spieler oft der Unterschied zwischen Breakthrough und Breakdown.
Jalen Reagor, 2020, Runde 1, Pick 21. Der Name, bei dem jeder Philly-Fan ab dreißig einmal tief einatmet. Receiver aus TCU. Zweiundzwanzigster Pick: Justin Jefferson, Vikings. 695 Yards in zwei Eagles-Jahren. Trade im August 2022 nach Minnesota gegen ein Minipaket an Draftkapital. Reagor war 2020 einundzwanzig Jahre alt, wurde in die schlimmste organisatorische Phase der letzten Dekade reingeworfen, spielte 2020 in einer zerbrechenden Offense unter Doug Pederson und Carson Wentz, 2021 im Sirianni-Rookie-Jahr mit einem Quarterback-Wechsel mitten in der Saison. Sein College-Tape zeigte explosives Spiel, aber auch Hands-Probleme und Route-Tree-Lücken, die in der NFL selten von allein verschwinden. Mit mehr Zeit, mehr Quarterback-Kontinuität und einem anderen Wide-Receiver-Coaching hätte er vielleicht die Karriere eines soliden Nummer-Zwei-Receivers entwickelt. Die Eagles hatten dafür weder Geduld noch Plan.
Weitere Namen, ohne dass wir tief graben: Jon Harris 1997 (Pick 25, Defensive End, zwei Saisons, ein Reach durch die damalige Scouting-Abteilung), Freddie Mitchell 2001 (Pick 25, Receiver, der mit den Erwartungen an seine Hands nie mithielt, aber 4th and 26 liefert bis heute Stoff für Tavernen), Jaiquawn Jarrett 2011 (Runde 2, Safety, Scheme-Opfer des Andy-Reid-Spätwerks), Andre Dillard 2019 (Pick 22, Tackle, eine frühe schwere Armverletzung zerstörte die Entwicklung). Die Liste ist länger, als sie sein sollte, und sie liest sich wie eine eigene kleine Familiengeschichte.
Warum Karrieren kippen. Die Muster hinter den Schlagzeilen
Wenn man die Namen nebeneinanderlegt, sieht man, dass Scheitern im NFL-Draft selten aus einem einzigen Grund passiert. Sechs Muster kommen in Philadelphia immer wieder vor.
Verletzungen, die niemand sah. Bei Andre Dillard war es die Schulter, die ihn schon früh zurückwarf. Bei Mike Mamula Knie und Weichteilverletzungen. Im Scouting-Report stand nichts davon, weil die Probleme erst in der NFL-Belastung auftauchten. Verletzungs-Prognose ist der am schwersten zu knackende Teil des Drafts, und die Eagles haben diese Wette öfter verloren als gewonnen.
Off-Field-Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind. Jerome McDougle wurde Opfer eines Verbrechens. Kevin Allen wurde Täter. Beides liegt außerhalb des Zugriffs eines Scouts. Diese Geschichten gehören in eine andere Schublade als Football-Analyse, und es ist respektvoller, sie auch dort abzulegen.
Scheme-Inkompatibilität nach Coaching-Wechseln. Marcus Smith wurde für Chip Kellys Defense gedraftet, fand in Schwartz' Vier-Mann-Rush nie eine Rolle. Jaiquawn Jarrett war für Juan Castillos hybride Defense gescoutet, danach gab es für seinen Typ keinen Platz mehr. Coaching-Instabilität ist ein stiller Karrierekiller. In Philadelphia gab es in den letzten zwanzig Jahren sechs Head Coaches. Jeder einzelne Wechsel hat Draft-Picks aus dem Vorgänger-Regime Karrieren gekostet.
Falsche Erwartungen am falschen Platz. Die Top-7-Erwartung an Mamula hat seine NFL-Karriere nie losgelassen. Hätte ihn jemand in Runde 2 gezogen, wäre er heute eine Geschichte über einen soliden Defensive End. Draft-Position ist Teil des Bewertungsrahmens, und die Eagles haben sich in ihrer Franchise-Geschichte mehrfach zu hoch eingekauft.
Leidenschaft und Biografie. Danny Watkins wollte kein Footballer sein. Er wollte Feuerwehrmann werden. Das ist kein Charakterdefizit, das ist eine Lebensentscheidung, die zum falschen Zeitpunkt in die NFL gespült wurde. Die Eagles haben nach Watkins mehr Energie in Interviews mit Draft-Kandidaten gesteckt, in denen die Frage nach dem "warum Football" zentral ist.
Zeitpunkt und Organisation. Jalen Reagor landete mitten in einem Coaching-Umbruch, einem Quarterback-Wechsel und einer Kulturkrise der Franchise. Spieler brauchen Boden, um zu wachsen. Wer einen Erstrundenpick auf sandigen Untergrund stellt, darf sich nicht wundern, wenn er nicht tief Wurzeln schlägt. Howie Roseman hat aus dieser Phase für die folgenden Drafts Schlüsse gezogen, und die 2023er-, 2024er- und 2025er-Klassen zeigen, wie anders sich die Organisation heute um Rookies kümmert.
Das System entscheidet. Und das Kapitel ist nie nach drei Jahren zu Ende
Der wichtigste Punkt kommt zum Schluss, und er ist der, den Fans am schnellsten übersehen, wenn ein Pick in den ersten beiden Jahren nicht zündet. Ein NFL-Spieler ist keine fertige Maschine mit festem Output. Er ist ein junger Mensch, meistens zwischen 21 und 24, der in ein Scheme gestellt wird, das ihm entweder die Handschuhe reicht oder die Hände bindet. Wer einen Pick nach drei Saisons abhakt, hakt oft denjenigen ab, der in Wirklichkeit nur das falsche Türschloss vor sich hatte.
Die Eagles-Geschichte hat für diese These in beide Richtungen Beweise.
Junge Spieler, die Philly verlassen haben und anderswo aufblühten. Marcus Smith ist das offensichtliche Beispiel, aber nicht das einzige.
Nelson Agholor, Erstrundenpick 2015, hatte in Philly zwei Saisons, die von Drop-Memes und einem verlorenen Selbstvertrauen geprägt waren. Super Bowl LII rehabilitierte ihn kurz, aber 2019 verließ er Philadelphia als Sinnbild für unerfüllte Erwartungen. In Las Vegas 2020 lieferte er 896 Yards und acht Touchdowns, die produktivste Saison seiner Karriere. In New England gewann er einen weiteren Super-Bowl-Ring, in Baltimore spielte er zwei solide Jahre als Rotationsreceiver. Agholor wurde in Philly gemessen an Pick 20 des 2015er-Drafts. In Las Vegas, New England und Baltimore wurde er gemessen an seiner tatsächlichen Rolle. Das machte den Unterschied.
Mychal Kendricks, Zweitrundenpick 2012, war in Philadelphia ein guter Linebacker im Schwartz-Scheme, wurde 2018 als Cap-Casualty gecuttet und fand in Seattle unter Pete Carroll das Beste seines Spiels. Carroll sagte damals öffentlich, Kendricks sei "ein einzigartiger Spieler und Wettbewerber" [6]. Kein Philly-Coach hat je so über ihn geredet.
Andere Beispiele gehen in dieselbe Richtung: Dion Jordan, den Eagles nach Miami, Seattle, San Francisco als Rotationsspieler. Sidney Jones, Zweitrundenpick 2017, wurde nach Philly in Jacksonville und Seattle zum Starter auf Zeit.
Und die Gegenrichtung. Spieler, die in anderen Städten blockiert waren und in Philadelphia ihr Spiel fanden. Das ist die Liste, die Howie Roseman an schlechten Tagen ausgedruckt bei sich trägt.
Saquon Barkley, sechs Jahre Giants, großes Talent, aber nie in einer Offense, die ihn ernsthaft unterstützte. 2024 in Philadelphia: über 2.000 Rushing-Yards, NFL-Rekorde gebrochen, Super Bowl, Parade. Derselbe Running Back. Anderes System. Andere Offensive Line. Anderer Quarterback. Andere Stadt.
A.J. Brown, drei Jahre Titans, dort schon produktiv, aber nie mit einem Quarterback, der ihm das Vertrauen schenkte, das Jalen Hurts ihm gibt. Erstes Jahr als Eagle 2022: 1.496 Yards und elf Touchdowns, Franchise-Rekord. Zweites Jahr 2023: 1.456 Yards. Haason Reddick, nach Stationen in Arizona und Carolina, brachte in Philadelphia 2022 sechzehn Sacks in einer Saison. Darius Slay, nach einer zerfahrenen letzten Detroit-Saison, in Philadelphia drei Pro Bowls am Stück.
Die Klassiker fehlen noch. Jason Peters kam 2009 als Trade aus Buffalo, in Buffalo als schwieriger Charakter verkauft. In Philadelphia wurde er zum Nine-Time-Pro-Bowl-Tackle und Hall-of-Fame-Kandidat. Terrell Owens, nach einem bitteren Abschied aus San Francisco, lieferte 2004 die beste Receiver-Saison der Eagles-Geschichte und einen legendären Super-Bowl-Auftritt auf einem gebrochenen Bein. Alshon Jeffery kam 2017 nach einer durchwachsenen Chicago-Endphase und fing den Touchdown in Super Bowl LII.
Was diese Geschichten verbindet, ist nicht, dass Philadelphia eine magische Heilstätte wäre. Sondern dass Spieler in einem Setup aufblühen, das zu ihren Stärken passt, und welken, wenn es das nicht tut. Was Howie Roseman und seine Scouts in den letzten Jahren zunehmend besser gemacht haben, ist die Frage nach dem Fit vor die Frage nach dem Upside zu stellen. Nicht: Wie hoch ist sein Ceiling. Sondern: Passt er zu dem, was wir spielen.
Die Lehre für Draft-Night ist die unbequemste von allen. Wenn ein Eagles-Pick im Rookie-Jahr nicht zündet, heißt das weder, dass er ein Bust ist, noch, dass er es nicht wird. Es heißt: Wir sehen noch nicht genug. Drei Jahre später, in Philly oder in Denver, kann derselbe Spieler eine ganz andere Karte spielen. Und wenn ein Spieler von woanders nach Philadelphia kommt und plötzlich seine beste Saison abliefert, ist das kein Wunder, sondern die Antwort auf die Frage, die sein vorheriges Team nicht stellen wollte.
Was die Howie-Jahre in diesen Schrank einsortieren
Die letzten fünfzehn Jahre sind noch zu frisch für Canton-Beurteilungen, aber sie schieben das Durchschnittsniveau nach oben.
Nick Foles 2012 war ein Runde-3-Pick, der den Super Bowl MVP gewonnen hat. Fletcher Cox 2012, Lane Johnson 2013, Zach Ertz 2013 sind drei Erste-Runde-Picks hintereinander, die alle zur All-Decade-Diskussion gehören. Jordan Hicks 2015 Runde 3. Jalen Mills 2016 Runde 7. Derek Barnett 2017 Runde 1 war weder Hit noch Miss, sondern solide Rotation. Dallas Goedert 2018 Runde 2. Miles Sanders 2019 Runde 2. Jalen Hurts 2020 Runde 2, Pick 53, der Pick der Howie-Ära. DeVonta Smith 2021 Runde 1 nach Trade-Up. Landon Dickerson 2021 Runde 2. Jordan Davis 2022 Runde 1, Cam Jurgens 2022 Runde 3, Nakobe Dean 2022 Runde 3. Jalen Carter und Nolan Smith 2023 Runde 1. Quinyon Mitchell und Cooper DeJean 2024 Runde 1 und 2. Jihaad Campbell 2025 Runde 1.
Nicht jeder davon wird ein Hall-of-Famer. Aber die Eagles haben aus den Lehren der vorherigen Jahrzehnte etwas gebaut, das heute belastbarer ist als je zuvor in der Franchise-Geschichte. Das ist keine Meinung, das ist Buchhaltung.
Was lernt man daraus. Und was nicht
Die besten Eagles-Picks der Geschichte kamen nicht nur in Runde 1. Carmichael in Runde 7. Dawkins in Runde 2. Pihos in Runde 5. Jurgensen in Runde 4. Eric Allen an Platz 30. Jason Kelce, der vermutlich bald die nächste Eagles-Statue bekommt, an Platz 191 des 2011er-Drafts. Wer die Franchise-Geschichte liest, liest eine Geschichte über Tiefe. Runde 1 ist Pflicht, aber Runde 2 bis 7 ist Kür, und die Kür hat Philadelphia oft besser gemacht als die Pflicht.
Und die Enttäuschungen? Sie sind weniger ein Urteil über Talent als ein Spiegel aller Faktoren, die zwischen Draft-Night und NFL-Karriere stehen können. Gesundheit. Persönliche Situation. Scheme. Coaching. Leidenschaft. Zeitpunkt. Wer nur auf das Tape eines College-Spielers schaut, übersieht die Hälfte der Gleichung.
Fazit vor Pick 23
Wenn Goodell in Pittsburgh am nächsten Donnerstag den zweiundzwanzigsten Namen ruft und die Eagles dran sind, dann stehen hinter diesem Moment neunzig Jahre Geschichte. Van Buren, Bednarik, Pihos, McDonald, Jurgensen, Bob Brown, Carmichael, White, Dawkins, Eric Allen. Das ist das Dach. Kevin Allen, Mamula, McDougle, Watkins, Smith, Reagor. Das sind zehn verschiedene Geschichten über Menschen, deren Karrieren aus sehr unterschiedlichen Gründen nicht das wurden, was jemand im April mal geträumt hatte. Dazwischen Howies moderne Arbeit, die in den letzten Jahren fast ausschließlich nach oben gezogen hat.
Die Wahrheit ist: Jeder Pick kann beides werden. Danny Watkins ging mit 23 in Runde 1, derselbe Platz, der in zehn Tagen frei ist. Harold Carmichael ging in Runde 7 und steht heute in Canton. Der Draft ist nicht fair, und er ist nicht gerecht, und er schreibt Geschichte, die dreißig Jahre später noch Barhocker-Diskussionen füllt. Für Howie und sein Scouting-Team heißt das nicht, dass sie die Vergangenheit fürchten müssen. Es heißt, dass sie wissen sollten, wie viele Faktoren zwischen den Zeilen liegen – und dass manche davon mit Football nichts zu tun haben.
Die Eagles haben in dieser Franchise mehr Hall-of-Famer gedraftet als mancher Gegner in der Division, und sie haben gleichzeitig Namen produziert, deren Geschichten mehr Respekt verdienen als das Etikett, das ihnen jahrzehntelang angeheftet wurde. Das gehört zusammen. Und am 23. April, 20 Uhr Ostküstenzeit, wird eine neue Zeile geschrieben.