Zwei Picks, zwei Wetten. Plus ein Trade, der mehr kostet als geplant. Der zweite Tag des 2026 NFL Draft war für die Eagles kein normaler Day 2. Es war eine Ansage. Howie Roseman wettet darauf, dass sein Front Office klüger ist als die anderen 31 Teams. Beides Mal wettet er gegen die Wahrscheinlichkeit. Wenn er recht behält, sieht Philly im November aus wie das schlauste Team der Liga. Wenn nicht, reden wir 2027 über verschenkte Picks.
Gehen wir die Spieler durch.
Pick 54: Eli Stowers, TE Vanderbilt
Stowers ist ein ehemaliger Quarterback, den Vanderbilt spät zum Tight End umgeschult hat. Athletisch ist der Mann ein Freak. Combine-Rekord für Tight Ends im Vertical Jump (45.5 inches) und im Broad Jump (11 foot 3). Plus den Mackey Award als bester College-TE 2025. Plus den Campbell Trophy als Academic Heisman. Plus zwei Jahre in Folge auf Dane Bruglers "Freaks List" [1].
Das Problem liegt nicht in der Athletik. Das Problem liegt im Football.
Erstens: Sein Route Tree ist dünn. Geradeaus laufen kann er. Den fortgeschrittenen Routenbaum, den ein moderner Slot-WR oder ein Move-TE braucht, beherrscht er nicht. Zweitens, und das wiegt schwerer: Er kann nicht blocken. Sein PFF Run-Blocking Grade lag 2025 bei 51.2. Kleinere Defender schieben ihn zurück. NFL-Edges machen ihn auf in-line-Snaps zum Verkehrsschild [2].
Warum ist das ein Problem? Defenses lesen den Personnel-Call. Stowers auf dem Feld heißt: Pass-Spielzug. Oder Run, aber nicht über seine Seite. Das gibt der Verteidigung zwei Vorteile, bevor der Ball überhaupt gesnappt ist. Bleacher Report vergleicht ihn deshalb mit Mike Gesicki. Ein purer Receiving-F-TE, der schemed-open Routes braucht, weil er aus einer In-Line-Position keinen Mehrwert liefert [3].
Die Wette der Eagles lautet damit: Erstens lernt Stowers den Route Tree dazu. Zweitens lernt er irgendwann blocken oder legt zumindest 15 Pfund Funktionsmasse drauf. Drittens ist Sean Mannion klug genug, ihn dort einzusetzen, wo seine Athletik wirkt. Detached-Snaps, Mismatches gegen Linebacker, Seam-Routes aus der Slot-Position.
Das kann hinhauen. Mannion kommt aus dem Shanahan-McVay-LaFleur-Baum und liebt Pre-Snap-Motion und Condensed Sets [4]. Genau das Scheme, in dem ein Gimmick-TE Mehrwert produziert. Aber als Every-Down-TE? Vergiss es. Goedert bleibt 2026 die Nummer eins. Und sollte Goedert nach 2026 weg sein, ist der Plan B kein Plan B, sondern ein Spezialist.
Berman bringt die Combine-Werte und Awards auf den Punkt:
Pick 68: Markel Bell, T Miami
206 Zentimeter. 157 Kilo. Arme wie Telefonmasten (36 3/8 Inch), Wingspan 87 1/8 Inch. Das sind Werte, von denen O-Line-Coaches träumen. Bell ist der größte Tackle, der seit zehn Jahren gedraftet wurde [5].
Wenn Coaches aus dem Traum aufwachen, sehen sie einen Left Tackle (er hat ausschließlich LT gespielt), der in Pass-Verteidigung alles mitbringt. 558 Pass-Block-Snaps in der Saison 2025, kein einziger erlaubter Sack. Third-Team All-ACC [6].
Im Run Game wird es härter. Seine Größe schafft Hebel-Probleme, je länger das Spiel dauert, desto mehr leidet die Pad Level. Dane Brugler sagt es so: "Bell is high cut and faces some disadvantages because of how he is built, but he compensates with his length and ascending awareness, which suggests he has NFL starts in his future." Konditions-Frage steht auf seinem Tape [7].
Brugler und Fran Duffy hatten ihn beide als zehnten Tackle ihres Boards. Klingt okay. Ist es nicht. Schau dir an, wo Pro-Bowl-Tackles historisch herkommen: aus den Top 15 des Drafts. Im Schnitt sogar aus den ersten 13 Picks. Je weiter du runtergehst, desto steiler fällt die Hit-Rate. Die Eagles wetten an Pick 68 darauf, dass sie mehr aus Bell rausholen als 31 andere Teams es konnten.
Mit Jeff Stoutland im Gebäude würde ich diese Wette eingehen, wenn es um Career-Backup vs. Swing-Tackle geht. Aber Lane Johnsons Nachfolger? Schwierig. Erstens hat Bell nie Right Tackle gespielt, zweitens ist er weit davon entfernt, Day-1-Starter zu sein. Wer Bell zum Lane-Johnson-Erben aufbaut, baut sich Erwartungen, die er nicht halten kann.
Realistisch: Ein Projekt mit Backup-Floor und Starter-Ceiling, falls Stoutland Magie wirkt.
Jeff McLane hat den Pick aus dem Inquirer-Newsroom in Echtzeit dokumentiert:
Der Greenard-Trade: Howie zahlt den Premium-Preis
Dass Jonathan Greenard zu den Eagles wechselt, war seit der Combine ein offenes Geheimnis. Überraschend ist der Preis. 2026er Third-Round-Pick (98 overall) plus 2027er Third-Round-Pick. Im Gegenzug Greenard plus ein 2026er Seventh-Rounder (244) [8].
Hatten wir nicht gesagt, wir wollen genau das nicht machen, Howie?
Dazu der Vertrag: Vier Jahre, 100 Millionen Dollar, 50 Millionen davon vollständig garantiert [9]. Im Schnitt 25 Millionen pro Jahr. Die ersten beiden Jahre voll abgesichert.
Lass das kurz sacken. Die Eagles waren bereit, 25 Millionen plus zwei Third-Rounder für Greenard zu zahlen. Aber 30 Millionen für Jaelan Phillips waren ihnen zu teuer. Ich verstehe die Mathematik nicht.
Greenard hatte zwei wirklich starke Saisons: 2023 mit den Texans, 12.5 Sacks. 2024 mit den Vikings im ersten Vertragsjahr, 12 Sacks. 2025 nur drei Sacks, weil eine Schulterverletzung ihn die letzten drei Spiele kostete und am Ende operiert wurde [10]. Er ist 28, das Alter, in dem Edge-Rusher normalerweise gut altern.
Die Frage ist nicht, ob Greenard ein Upgrade ist. Die Frage ist, ob er das Premium-Preis-Upgrade ist. Macht er aus der Eagles-Pass-Rush eine Top-5-Einheit? Oder landet er irgendwo im Mittelfeld der NFL-DEs, für den wir sehr viel gegeben haben? Warum nicht einen Top-Edge holen, der mehr kostet, aber sicher liefert? Oder tiefer gehen, wo der Preis fairer wäre?
Mein Verdikt-Korridor für 2026: Unter 10 Sacks ist der Trade ein Fehlschlag. 10 bis 13 Sacks sind okay. Über 13 Sacks ist er ein Erfolg, der den Preis rechtfertigt.
Zwischenfazit: Howie kauft die Post-AJ-Welt komplett ein
Schauen wir auf die Investitionen für die Zeit nach AJ Brown. Vor dem Draft kam Hollywood Brown via Free Agency. Dontayvion Wicks aus Green Bay kostete einen 5th- und einen 6th-Rounder plus neuen Vertrag. Im Draft: Makai Lemon in Runde 1, der Trade-up zu Dallas kostete zusätzlich zwei 4th-Rounder (Pick 114 und Pick 137). Plus Eli Stowers in Runde 2.
Rechnen wir zusammen: Pick in Runde 1, Pick in Runde 2, zwei Picks in Runde 4, ein Pick in Runde 5, ein Pick in Runde 6. Plus zwei neue Verträge. Plus eine Free-Agency-Verpflichtung. Das ist kein halber Draft mehr. Das ist ein ganzer Draft, der in einer einzigen Personalentscheidung versickert: dem Umbau des Receiving Corps für die Zeit nach AJ Brown.
Das ist sehr, sehr viel. Und die wichtigste Person bei den Eagles wird damit nicht Hurts. Auch nicht Roseman. Es wird Sean Mannion. Wenn sein System greift, sieht das in einem Jahr aus wie ein Geniestreich. Wenn nicht, brauchen wir zwei bis drei Jahre, um den Schaden zu reparieren.
Ich bin gespannt. Skeptisch, aber gespannt.