Jimmy Kempski hat bei PhillyVoice den Cooper-DeJean-Trade nochmal auseinandergenommen und gezeigt, was Washington aus dem Deal gemacht hat: wenig. Fast nichts. Ein Cornerback der im zweiten Jahr neun Touchdowns zugelassen hat, ein Tight End mit 16 Career Catches, ein Safety der sechs Special-Teams-Snaps gespielt hat und nicht mehr im Team ist [1].
Das Muster kennt man. Und Kempski hat recht: Diese Art von Bilanzierung ist zu selten. Die meisten Trade-Analysen werden am Tag des Trades geschrieben. Da ist noch keiner da, der sagen kann, was aus dem Pick geworden ist, für den der Gegner die Nummer 18 verschleudert hat.
Machen wir das heute anders. Vier Roseman-Trades aus den letzten sechs Jahren. Jeder davon sieht rückblickend schlimmer aus für die Gegenseite, je länger man hinschaut. Und einer davon, der letzte, hat aus einem kaputten Franchise-Quarterback den halben Super-Bowl-Roster gebaut.
Trade 1. AJ Brown für Pick 18 und Pick 101
- April 2022, Ende des ersten Drafttages. Roseman hatte gerade Jordan Davis mit Pick 13 geholt, die Titans waren bei Pick 18 on the clock. Dann ging das Telefon. Eagles bekommen AJ Brown, Titans bekommen Pick 18 und Pick 101, Eagles geben Brown einen Vierjahresvertrag über 100 Millionen Dollar mit 57 Millionen garantiert [2].
Die Titans nahmen mit Pick 18 Treylon Burks aus Arkansas. Drei Titans-Saisons, 27 Spiele, 53 Receptions, 699 Yards, ein Touchdown. Verletzungsanfällig, nie in Rhythmus gekommen, Juli 2025 von den Titans released und seither auf dem Practice Squad der Commanders [3].
Pick 101 wurde gar nicht selbst gezogen. Die Titans packten ihn mit ihrem eigenen Pick 26 und schickten das Paket zu den Jets, im Gegenzug kamen die Picks 35, 69 und 163 zurück [4]. Aus Sicht des AJ-Brown-Trades ist Pick 101 also nur ein Chip in einer Trade-Down-Kette, die Tennessee an diesem Wochenende nichts Bleibendes gebracht hat.
Brown auf der anderen Seite: drei Saisons in Philly, drei 1.000-Yard-Jahre, zwei Super-Bowl-Auftritte, einen Ring. Die vielleicht beste Contested-Catch-WR-Jalen-Hurts-Connection der Liga. Der Moment, an dem dieser Trade entschieden wurde, war nicht die Roster-Frage, sondern die Frage, ob man Brown den Vertrag geben würde. Roseman hat sie mit Ja beantwortet. Tennessee hat sie mit Nein beantwortet. Der Rest ist Geschichte, die in South Philly in Grün und Silber geschrieben wurde.
Tale of the Tape
Eagles bekamen: AJ Brown. Titans bekamen: Treylon Burks (raus nach drei Saisons) plus einen Trade-Down-Chip mit den Jets, der in den weiteren Drafttagen verpuffte.
Nicht einmal nah dran.
Trade 2. Darius Slay für Pick 85 und Pick 166
- März 2020. Jim Schwartz will seinen CB1, Detroit will Cap Space. Eagles senden Pick 85 (3. Runde) und Pick 166 (5. Runde) nach Detroit, dazu ein Drei-Jahres-Vertrag über 50 Millionen mit 30 garantiert für Slay [5].
Die Lions nutzten Pick 85 als Trade-Chip, packten ihn mit anderen Assets und zogen hoch auf Pick 75, um dort Guard Jonah Jackson zu nehmen. Jackson wurde solider Starter, ging 2024 als Free Agent nach Los Angeles [6].
Mit Pick 166 pickten die Lions Wide Receiver Quintez Cephus. 37 Career Receptions, 568 Yards, und im April 2023 von der NFL auf unbestimmte Zeit wegen eines Wettverstoßes (Bets auf NFL-Spiele) gesperrt und von den Lions released [7].
Slay in Philly: fünf Saisons, drei Pro-Bowl-Selections, Starter im Super-Bowl-Run 2022 und 2024, Lockerroom-Leader, bis heute einer der lautesten Eagles-Alumni auf Social Media. Ein Ring. Detroit hat aus dem Deal einen Guard bekommen, den sie verloren haben, und einen Receiver, den sie abgeschnitten haben. Das ist kein Draft-Pick-ROI, das ist Resterampe.
Tale of the Tape
Eagles bekamen: All-Pro Cornerback, Super-Bowl-Champion. Lions bekamen: Jonah Jackson (weg), Quintez Cephus (weg).
Trade 3. CJ Gardner-Johnson für einen 5er und einen 6er
- August 2022, zwei Wochen vor Saisonstart. Saints-GM Mickey Loomis und CJGJ sind sich in Vertragsgesprächen nicht einig geworden, Roseman steht mit dem Hörer in der Hand. Eagles geben den 2023er 5er und den niedrigeren ihrer beiden 2024er 6er. Zurück kommt CJGJ und ein 2025er 7er [8].
Der 5er wurde Pick 165 im 2023er Draft. Die Saints haben ihn nicht selbst genutzt, sondern im Paket weitergehandelt. Am Ende der Kette: Offensive Lineman Nick Saldiveri, Rotationsspieler, kein Starter.
Der 6er wurde Pick 199 im 2024er Draft. Defensive Tackle Khristian Boyd. Auch da: Rotationsspieler, kein Ausrufezeichen.
Auf der anderen Seite dieser Klammer: CJGJ hatte 2022 sechs Interceptions und führte die NFC an, spielte im Super Bowl LVII, ging 2023 zu Detroit, kam 2024 zurück nach Philly und gewann den Super Bowl LIX. Zwei Super-Bowl-Auftritte, ein Ring, und nebenbei der emotionale Motor der Secondary.
Tale of the Tape
Eagles bekamen: NFC-Interception-Leader, Super-Bowl-Champion. Saints bekamen: Nick Saldiveri, Khristian Boyd.
Die Saints haben für einen Starter, der zwei Jahre später einen Ring gewinnt, zwei Rotationsspieler bekommen. Das ist der Deal, den man sich anschaut, wenn man verstehen will, warum Roseman seit Jahren als der beste GM der NFL gehandelt wird.
Trade 4. Der Wentz-Trade. Aus einem Scherbenhaufen wurde ein halber Super-Bowl-Roster
Und jetzt der Wahnsinn.
- März 2021. Carson Wentz ist weg, Jalen Hurts ist QB1, Eagles bekommen einen 2021er Pick 84 (3. Runde) und einen konditionalen 2022er Pick, der ein 2. oder 1. Runde wird, abhängig davon wieviel Wentz bei den Colts spielt [9].
Wentz spielte 98 Prozent der Colts-Snaps. Der Pick wurde ein 1er. Roseman hatte jetzt zwei Picks in der Hand. Und was er damit gemacht hat, sollte man sich einrahmen.
Schritt 1. Mit Pick 84 (2021, 3. Runde) ging Roseman zu Dallas, packte ihn zu Pick 12 und zog hoch auf Pick 10. Dort wählten die Eagles DeVonta Smith. Dallas nahm mit Pick 12 Micah Parsons und mit Pick 84 Osa Odighizuwa. Ehrliche Bilanz: Dieser Teilschritt war kein Roseman-Fleece. Dallas hat mit beiden Picks hervorragende Spieler bekommen. Aber Smith war für Philly der WR1 der nächsten Ära.
Schritt 2. Der 2022er 1er (Pick 16) wurde zur Eintrittskarte für den wahrscheinlich folgenreichsten Deal der Roseman-Ära. Eagles schickten die Picks 16 und 19 plus einen 6er (Pick 194) nach New Orleans. Zurück kamen Pick 18, Pick 101, Pick 237, ein 2023er 1er und ein 2024er 2er. Die Saints nutzten ihre beiden Erstrundenpicks auf Chris Olave und Trevor Penning [10].
Schritt 3. Pick 18 und Pick 101 gingen am Draftabend an die Titans. Für AJ Brown. Die ersten beiden Trades auf dieser Liste haben sich gerade überkreuzt: Der Carson-Wentz-Trade hat AJ Brown mitfinanziert.
Schritt 4. Der 2023er 1er der Saints kam als Pick 10 bei Philly an. Den schickte Roseman mit einem 4er 2024 nach Chicago und zog hoch auf Pick 9. Dort wählten die Eagles Jalen Carter. Defensive Tackle, 2024 All-Pro-Kandidat, das Herz der Super-Bowl-LIX-Defensive, einer der zwei oder drei besten Interior-Rusher der NFL [11].
Schritt 5. Der 2024er 2er der Saints floss in die Trade-Up-Kette ein, mit der die Eagles von Pick 50 auf Pick 40 hochgezogen sind und dort Cooper DeJean gewählt haben. Der Rookie, der den Pick-Six im Super Bowl LIX gescored hat [12].
Lass uns das nochmal sortieren. Carson Wentz wurde für zwei Picks nach Indianapolis geschickt. Aus diesen zwei Picks sind direkt oder über Trade-Ketten folgende Eagles entstanden: DeVonta Smith, AJ Brown, Jalen Carter, Cooper DeJean.
Das ist nicht mehr nur ein fleecing. Das ist Alchemie.
Tale of the Tape
Eagles bekamen: DeVonta Smith, AJ Brown (anteilig), Jalen Carter, Cooper DeJean (anteilig). Colts bekamen: Carson Wentz. Eine Interception und ein Strip-Sack-Fumble beim 11:26-Playoff-Aus in Jacksonville, eine verpasste Postseason trotz 9-8, ein Weiter-Trade nach Washington ein Jahr später.
Was diese vier Deals gemeinsam haben
Roseman macht drei Dinge besser als fast alle GMs in der NFL.
Erstens: Er versteht Draft-Value als fließendes System, nicht als starre Tabelle. Wenn ein Pick 16 für ihn als Chip mehr wert ist als als Auswahl, gibt er ihn weg. Andere GMs halten krampfhaft an Picks fest, weil sie auf der Trade-Value-Chart teuer aussehen.
Zweitens: Er zieht den Trigger, wenn er einen elite Player bekommen kann. Slay, Brown, CJGJ, jedes Mal war die NFL-Meinung "zu viel bezahlt". Jedes Mal war es ein Schnäppchen.
Drittens: Er denkt über den aktuellen Pick hinaus. Der Wentz-Trade war 2021 ein "Wir müssen den Kerl loswerden"-Deal. Fünf Jahre später ist es die Grundlage einer Super-Bowl-Offensive.
Kempski hat bei DeJean gezeigt, wie so ein Trade-Baum aussieht. Die Wahrheit ist: Die meisten großen Roseman-Trades sehen so aus. Man muss nur die Geduld haben, ihnen fünf Jahre zu geben und dann rückwärts zu erzählen.