Die Telefone klingeln seltener. Die großen Namen sind vergeben. Und in der NFC East wird langsam klar, wer in der Free Agency geliefert hat und wer jetzt alles auf den Draft setzen muss.
Zwei Wochen nach dem Startschuss ist die erste heiße Phase gelaufen. Was bleibt? Vier Teams, vier verschiedene Strategien. Und eine Division, die sich gerade neu sortiert. Zeit für ein Zwischenfazit.
Washington Commanders: All-in mit 314 Millionen Dollar
Die Commanders haben die Offseason zum Spektakel gemacht. 314 Millionen Dollar investiert, Ligaspitze. GM Adam Peters hat nicht gekleckert.
Der Headliner: Odafe Oweh kommt von den Ravens mit einem Vierjahresvertrag über 100 Millionen Dollar [1]. Dazu die Verlängerung von Laremy Tunsil für 60,2 Millionen über zwei Jahre. Amik Robertson für 16 Millionen. Jerome Ford. Chig Okonkwo. Die Liste geht weiter.
Das Clevere daran: Die Cap Hits für 2026 bleiben überschaubar. Oweh kostet nur 9,2 Millionen gegen den Cap, Tunsil 11,9 Millionen. Und Washington hat trotz des Ausgabenrausches immer noch 64,85 Millionen an Cap Space übrig [2].
Aber. Und das ist ein großes Aber: Sie haben Marshon Lattimore und Tyler Biadasz abgestoßen. Bobby Wagner ist auch weg. Die Defense hat vorne dazugewonnen, aber hinten und in der Mitte verloren. Ob Oweh allein das kompensiert? Jayden Daniels hat mehr Schutz, mehr Waffen, mehr Optionen. Aber kann die Defense mithalten?
Zwischennote: B+. Aggressiv, strukturell klug, aber die Abgänge in der Secondary schmerzen.
Dallas Cowboys: Der Gary-Gamble und die zwei Erstrundenpicks
Dallas hat leise gearbeitet. Keine Mega-Deals, kein Cap-Feuerwerk. Stattdessen ein Trade, der polarisiert: Rashan Gary von den Packers für einen Viertrundenpick 2027 [3].
Gary hat in den letzten beiden Saisons je 7,5 Sacks produziert. Solide, nicht spektakulär. Sein umstrukturierter Vertrag bringt ihn auf 16 Millionen pro Jahr, mit einem Cap Hit von nur 5,44 Millionen in 2026. Klingt nach einem Schnäppchen. Klingt aber auch nach einem Spieler, dessen beste Tage hinter ihm liegen könnten.
Dazu Jalen Thompson als Safety. Drei Jahre, 33 Millionen. Von 2021 bis 2023 war Thompson eine Ballhawk-Maschine: acht Interceptions, über 100 Tackles pro Saison. Aber in den letzten zwei Saisons? Null Picks. Ein Forced Fumble. Das ist ein Trend, kein Ausrutscher [4].
Was Dallas wirklich spannend macht: zwei Erstrundenpicks und ein neuer Defensive Coordinator in Christian Parker, der Gary noch aus Green-Bay-Zeiten kennt. Die Cowboys bauen auf den Draft. Die Free Agency war nur die Vorspeise.
Zwischennote: C+. Wenig Risiko, wenig Wow-Faktor. Die Picks müssen liefern.
New York Giants: Harbaughs Baltimore-Reunion
John Harbaugh ist der neue Head Coach. Und er macht genau das, was alle erwartet haben: Er holt seine Jungs.
Isaiah Likely. Patrick Ricard. Ar'Darius Washington. Die Giants haben quasi die Ravens-Filiale in East Rutherford eröffnet. Das Herzstück ist Likely: drei Jahre, 40 Millionen Dollar, mit Incentives bis zu 47 Millionen [5]. Mit Theo Johnson hat New York plötzlich ein echtes 12-Personnel-Paket. Zwei Tight Ends, die Matchup-Probleme kreieren. Das passt zu Harbaughs Philosophie: physisch, kompakt, Run Game first.
Darnell Mooney im Slot für lächerliche 3 Millionen Base Salary. Greg Newsome II für die Secondary. Tremaine Edmunds als Linebacker. Jordan Stout mit einem Rekordvertrag als Punter [6].
Die Giants haben nicht überbezahlt. Sie haben gezielt Löcher gestopft und dabei Harbaughs System als Blaupause genutzt. Das fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren nach einem Plan an.
Zwischennote: B. Kein Splash, aber jeder Move macht Sinn. Harbaugh weiß, was er tut.
Philadelphia Eagles: Chirurgisch und auf den Draft gebaut
Howie Roseman macht Howie-Roseman-Dinge. Keine Panik, kein Überbezahlen, kein emotionales Shopping. Die Eagles haben die Free Agency wie ein Schachspiel behandelt.
Die Verluste waren real: Jaelan Phillips (120 Millionen, Panthers), Reed Blankenship (24,75 Millionen, Texans), Nakobe Dean (Raiders). Dazu Dotson und Ojulari nach Atlanta, Sam Howell zu den Cowboys. Das tut weh, besonders Phillips und Blankenship [7].
Aber was die Eagles reingeholt haben, beeindruckt durch Effizienz. Riq Woolen als Nummer-eins-Corner für ein Jahr und 15 Millionen. Der Mann hat gerade einen Super Bowl gewonnen in Seattle. Arnold Ebiketie für 7,3 Millionen als Edge-Verstärkung. Jonathan Jones als erfahrener Slot-Corner. Hollywood Brown als bewährte Waffe in der Passing Attack für 6,5 Millionen. Dallas Goedert bleibt für 7 Millionen [8].
Die Jordan-Davis-Extension war das Statement: drei Jahre, 78 Millionen. Die Eagles bauen ihre Defensive Line um Davis als Anker herum.
Und dann sind da noch die Comp Picks. Vier Stück, das Maximum. Picks 98, 137, 178 und 215 [9]. Zusammen mit den regulären Picks: ein Arsenal für den Draft. Kein Zufall. Strategie.
Was noch fehlt? Ein echter Edge Rusher als Starter. Ein Safety neben C.J. Gardner-Johnson. Und die Lane-Johnson-Nachfolge muss langsam geplant werden, der Mann wird 36 und hat seine letzte Saison mit einer Lisfranc-Verletzung beendet [10].
Zwischennote: B+. Solide, strategisch, mit Munition für den Draft. Typisch Eagles unter Roseman.
Der Comp-Pick-Faktor: Warum die Stille bald endet
Was viele Fans übersehen: die Comp-Pick-Formel. Jeder Unrestricted Free Agent, der vor dem Monday nach dem Draft (28. April) unterschreibt, fließt in die Berechnung für die Compensatory Picks 2027 ein [11].
Teams, die 2025 viele Spieler in der Free Agency verloren haben, wollen ihre Comp Picks für 2027 schützen. Also warten sie. Sie unterschreiben bewusst keine günstigen Free Agents jetzt, weil das ihre Comp-Pick-Bilanz verwässern würde.
Nach dem 28. April drehen sich die Vorzeichen. Signings nach der Deadline zählen nicht mehr gegen die Formel. Teams können zuschlagen, ohne Draft Capital zu opfern. Auch die Eagles: Wer einen günstigen Veteranen sucht, findet ihn wahrscheinlich Ende April oder Anfang Mai.
Erwartet eine zweite Welle. Besonders bei erfahrenen Spielern, die noch keinen Vertrag haben, weil Teams auf die Deadline warten.
Das große Bild: Wie steht die NFC East?
Die Machtverhältnisse in der Division verschieben sich. Nicht dramatisch, aber spürbar.
Washington hat am aggressivsten investiert. Auf dem Papier der größte Sprung. Aber viel Geld ausgeben und sich verbessern sind zwei verschiedene Dinge. Die Cowboys setzen alles auf den Draft und hoffen, dass zwei Erstrundenpicks und ein neuer Defensive Coordinator die Wende bringen. Die Giants haben zum ersten Mal seit Ewigkeiten eine erkennbare Identität. Und die Eagles? Die spielen das lange Spiel.
Philly hat die Offseason nicht gewonnen. Aber sie haben auch nicht verloren. Und wer Howie Roseman kennt, weiß: Die Eagles sind nie fertig, bis der Draft vorbei ist. Zehn Picks, davon vier Comp Picks, und Roseman liebt es zu traden. In drei Wochen wissen wir mehr.
Eines ist klar: Die NFC East wird 2026 kein Selbstläufer. Für niemanden.
Go Birds.