Howie Roseman hat ein Lieblingswort für den aktuellen Kader. „Incomplete". Unvollständig. Das sagt er nicht aus Koketterie, sondern weil es stimmt. Nach der ersten Free-Agency-Welle, nach dem League Meeting in Phoenix und mit knapp drei Wochen Abstand zum Draft bleibt eine lange Liste. Und nein, A.J. Brown ist nur ein Punkt davon.
Wer den Offseason bisher nur überflogen hat, denkt vielleicht: Woolen da, Goedert verlängert, Edge-Rotation mit Ebiketie und Tryon-Shoyinka gestopft, Haken dran. Ist sie nicht. Dieser Kader war 2025 die Nummer 20 in Points Scored. Mit Hoffnung allein reparierst du das nicht. Was in den nächsten sechs Wochen passiert, entscheidet, ob 2026 ein Super-Bowl-Run wird oder ein verlorenes Jahr.
Hier sind die zehn Aufgaben, in der Reihenfolge, in der ich sie priorisieren würde.
1. Einen echten Starting-Safety finden
Das ist die dringendste Baustelle, Punkt. Reed Blankenship ist weg, er hat bei den Texans drei Jahre und 24,75 Millionen Dollar unterschrieben [1]. Andrew Mukuba, der Zweitrundenpick von 2025, wird Starter auf der einen Seite. Daneben? Michael Carter II, Marcus Epps. Das klingt nach Depth Chart, nicht nach Plan.
Roseman weiß das. In Phoenix hat er es selbst gesagt: „In some shape or form, we will add at that position." [2]. Der Markt ist noch nicht leer. Justin Simmons will 2026 spielen und hat in Denver schon unter Vic Fangio gestanden [3]. Ein Jahr, überschaubarer Cap-Hit, fertig. Mein Take: Wenn die Eagles mit Epps als Starter in den August gehen, hat Roseman diesen Offseason verfehlt.
2. Einen zweiten, echten Edge Rusher verpflichten
Jalyx Hunt und Nolan Smith sind gesetzt. Danach wird es dünn. Ebiketie (ein Jahr, 7,3 Millionen Dollar) und Tryon-Shoyinka (ein Jahr) sind Darts, keine Lösungen [4]. Roseman hat selbst klargemacht, dass die Eagles hier nicht fertig sind. Jaelan Phillips war der Wunschkandidat und ist für vier Jahre und 120 Millionen Dollar nach Carolina gegangen [5].
Draft oder Free Agency? Beides. Ein Edge im ersten Drittel des Drafts plus ein Veteran nach June 1, wenn weitere Namen frei werden. Zwei Sack-Producer gegen den NFC East reichen nicht.
3. Die A.J. Brown Frage beantworten
Ja, das Thema nervt. Ja, Berman hat recht mit der Fan-Fatigue. Trotzdem: Brown ist der zentrale Cap-Hebel dieses Offseasons. Die Gespräche mit den Rams liefen, die Patriots gelten weiter als logischstes Ziel. Vrabel hat in Phoenix zehn Fragen zum Thema beantwortet [6].
Meine Meinung: Nach dem 1. Juni passiert etwas. Sportlich wäre es besser, Brown zu behalten, aber die Signale sind klar. Wer jetzt noch darauf wartet, dass Roseman öffentlich „A.J. Brown is a member of the Eagles" sagt und das für eine Garantie hält, hat nicht aufgepasst. Die Eagles müssen intern den Plan B ready haben: Kompensation durch Draft oder einen zweiten WR-Deal.
4. Einen Nachfolger für Lane Johnson draften
Johnson wird im Mai 36 und hat in der Saison 2025 fast die Hälfte der Spiele verpasst [7]. Dickerson hat am Saisonende selbst Zweifel geäußert, was sein langfristiges Football-Dasein angeht. Das ist keine akademische Sorge, das ist planbare Realität.
Das Right-Tackle-Erbe braucht einen Redshirt-Year-Plan, so wie es mit Jurgens und Kelce funktioniert hat. Pick 23 oder der frühe zweite Rundentag sind der richtige Platz dafür. Wenn Roseman das nicht angeht, steht die Line 2027 auf tönernen Füßen.
5. Landon Dickerson als Left Guard absichern
Dickerson hat die Saison 2025 durch Verletzungen gespielt, deren volles Ausmaß erst im Frühjahr sichtbar wurde. Der Inquirer hat deutlich gemacht, dass seine Verfügbarkeit für 2026 keineswegs sicher ist [8]. Das heißt: Ein Guard, der mehr ist als Kamp-Füller, gehört auf den Zettel. Aktuelle Backups sind nicht unbestritten Starter-Qualität.
Ein erfahrener Veteran auf einem günstigen Vertrag, vielleicht sogar ein Draft-Pick in Runde drei. Ein gesundes Front Five ist der Unterschied zwischen 2024-Offense und 2025-Offense. Das hat Roseman in Phoenix selbst als Hauptursache für den Rückgang benannt.
6. Einen Tight End der Zukunft draften
Goedert ist zurück, ein Jahr, sieben Millionen Dollar. Eine Brücke, kein Plan. Die Eagles haben Calcaterra, Mundt und Stone Smartt unterschrieben, aber das sind Komplementärteile [9]. Die langfristige Antwort muss aus dem Draft kommen, und die 2026er Klasse ist tief auf der Position.
Oregons Kenyon Sadiq steht ganz oben im Board, aber auch Runde zwei und drei haben Kandidaten, die in einem Jahr neben Goedert lernen können. Wer die Position ignoriert, hat 2027 dieselbe Lücke wie heute.
7. Einen Receiver im Draft holen, unabhängig von Brown
Das hat Kempski klar formuliert, und ich unterschreibe es: Die Eagles brauchen einen Wide Receiver aus dem Draft, egal was mit A.J. Brown passiert [10]. Jahan Dotson ist in Atlanta, DeVonta Smith altert in seinem Prime, die Depth hinter den Top Two ist brüchig.
Ein WR2-fähiger Prospect mit YAC-Profil wäre Gold wert. Und wenn Brown tatsächlich nach New England gehandelt wird, verdoppelt sich die Dringlichkeit über Nacht.
8. Eine Entscheidung zu Tanner McKee treffen
Andy Dalton war ein Cap-freundlicher Move (nur 1,5 Millionen Dollar Hit für die Eagles, die Panthers haben den Rest restrukturiert). Roseman hat klargemacht, dass die Verpflichtung nichts mit McKee zu tun hat [11]. Trotzdem bleibt die Frage: Was macht man mit McKee?
Ein 38-jähriger Dalton als QB3 ist sportlich zweifelhaft. McKee für einen zukünftigen Mid-Round-Pick zu traden macht mehr Sinn, als ihn auf der Bank verkümmern zu lassen. Die Eagles haben hier Leverage, weil die QB-Stühle anderswo voll sind, aber nicht überall.
9. Jeff Scotts Rolle im Front Office ersetzen
Vice President of Football Operations Jeff Scott geht nach Atlanta, wird dort Assistant General Manager. Kein Headline-Thema, aber strukturell wichtig [12]. Scott hat seit 2021 bei den Eagles gearbeitet, zuletzt mit Schwerpunkt auf Pro Scouting und Free Agency. Genau der Mann, den man in einem Offseason braucht, der noch nicht vorbei ist.
Roseman hat Scott ziehen lassen, weil die Hauptwelle der Free Agency durch war. Die Nachfolge-Frage ist aber real. Wer übernimmt die Pro-Scouting-Arbeit, die Ebiketie, Woolen und Tryon-Shoyinka überhaupt erst auf den Tisch gebracht hat?
10. Sean Mannions Offense in den OTAs installieren
Der letzte Punkt ist kein Personal-Punkt, sondern einer, der die ersten neun entscheidend beeinflusst. Die Eagles haben einen neuen Offensive Coordinator, ein neues Scheme, einen neuen Run Game Coordinator, ohne Jeff Stoutland. Sirianni hat angekündigt, dass er den OTA- und Minicamp-Plan anpassen wird [13].
Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Wenn Hurts und die O-Line Mannions Concepts im August nicht verinnerlicht haben, spielt es fast keine Rolle, wer auf Safety steht oder ob Brown noch im Kader ist. Die Saison 2025 hat gezeigt, wie schnell eine Offense kippt, wenn die Details nicht sitzen. Sechs OTAs und zwei Minicamp-Tage sind nicht viel. Sirianni muss liefern.
Was bleibt als Gesamtbild? Dieser Offseason ist nach außen ruhig, aber intern laufen zehn parallele Baustellen. Die Eagles haben nach dem Woolen-Deal laut Over The Cap noch rund 34,8 Millionen Dollar Cap Space [14]. Das reicht, um zwei bis drei sinnvolle Moves zu machen, wenn der Post-June-1-Markt aufmacht. Und die neun Draft-Picks, davon vier in den Top 100, sind Munition, die Roseman nicht nur gehortet hat, um sie liegen zu lassen.
Der Job ist nicht „sichern, was da ist". Der Job ist „in den nächsten sechs Wochen aus einem 11-6-Kader einen Kontender bauen". Wer glaubt, dass Woolen und Goedert reichen, hat die letzte Playoff-Niederlage nicht mehr im Kopf. Ich schon.