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Was ist die Philly Special? Die Geschichte des berühmtesten Eagles-Spielzugs

Es gibt Momente im Sport, die größer sind als das Spiel selbst. Momente, die eine Stadt definieren, eine Franchise für immer verändern, und Millionen von Fans gleichzeitig von der Couch reißen....

·6 Min. Lesezeit·
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Es gibt Momente im Sport, die größer sind als das Spiel selbst. Momente, die eine Stadt definieren, eine Franchise für immer verändern, und Millionen von Fans gleichzeitig von der Couch reißen. Die Philly Special ist so ein Moment.

  1. Februar 2018. Super Bowl LII. Philadelphia Eagles gegen New England Patriots. Und ein Spielzug, der alles verändert hat.

Die Situation: 4th and Goal, 38 Sekunden vor der Halbzeit

U.S. Bank Stadium, Minneapolis. Die Eagles führen 15-12 gegen die New England Patriots. 38 Sekunden vor der Halbzeit. 4th and Goal an der 1-Yard-Line der Patriots.

Jeder Trainer in der NFL nimmt hier das Field Goal. Du nimmst die drei Punkte, gehst mit 18-12 in die Halbzeit, und dein Kicker Jake Elliott hat an diesem Abend ohnehin schon geliefert. Das ist die sichere Entscheidung. Die vernünftige Entscheidung. Die Entscheidung, die 31 andere Head Coaches treffen würden.

Doug Pederson ist nicht wie die anderen 31.

Der Spielzug: Alles auf eine Karte

Was dann passiert, dauert weniger als fünf Sekunden. Aber diese fünf Sekunden werden für immer in der Eagles-Geschichte stehen.

Vor dem Snap: Foles tritt an die rechte Seite der Formation, als würde er mit den Coaches reden. Er sieht aus wie ein Quarterback, der eine Auszeit nimmt. Die Patriots-Defense entspannt sich für einen Moment. Foles dreht sich um und stellt sich als Receiver rechts außen auf.

Der Snap: Center Jason Kelce snappt den Ball nicht an Foles, sondern an Running Back Corey Clement, der links hinter der Line steht.

Die Täuschung: Clement nimmt den Snap, läuft nach rechts, und die Patriots-Linebacker springen vor. Sie sehen Run Play. Sie reagieren auf den Ball. Genau das sollen sie.

Der Pitch: Clement pitcht den Ball nach hinten an Tight End Trey Burton, der von der linken Seite kommt.

Der Pass: Burton, ein Tight End, wirft einen Pass in die rechte Ecke der End Zone. Dorthin, wo Foles steht. Komplett allein. Kein einziger Defender in seiner Nähe.

Der Catch: Foles fängt den Ball. Touchdown. 22-12 Eagles.

Der Quarterback hat einen Touchdown gefangen. Im Super Bowl. Auf 4th Down. 38 Sekunden vor der Halbzeit.

Die Vorgeschichte: "You want Philly Philly?"

Der Spielzug hat eine Geschichte, die fast so gut ist wie der Spielzug selbst.

Die Eagles hatten eine Variation dieses Plays schon in der Regular Season versucht. Es war inspiriert von einem CFL-Play von Coach Marc Trestman und wurde im Eagles-Playbook als "Philly Philly" geführt. Im Wildcard-Game gegen die Falcons hatte Foles den Spielzug vorgeschlagen, aber Pederson hatte abgelehnt. Der Moment war nicht richtig.

Im Super Bowl, an der 1-Yard-Line der Patriots, auf 4th Down, wendet sich Foles an Pederson.

Foles: "You want Philly Philly?"

Pederson: "Yeah, let's do it."

Drei Worte. "Yeah, let's do it." In diesem Moment hat Doug Pederson sich unsterblich gemacht. Nicht weil der Spielzug funktioniert hat. Sondern weil er den Mut hatte, ihn zu callen.

Die Ironie: Brady konnte nicht fangen

Und dann passierte etwas, das die Geschichte perfekt abrundet.

In der zweiten Halbzeit versuchten die Patriots ein ähnliches Play. Tom Brady, der beste Quarterback aller Zeiten, sechs Super Bowl Ringe, der GOAT, stellte sich als Receiver auf. Der Ball kam. Und er ging durch seine Hände. Incomplete.

Tom Brady konnte nicht fangen. Der Backup-Quarterback der Eagles schon.

Man kann sich das nicht ausdenken. Die Philly Special ist nicht nur ein großartiger Spielzug. Sie ist eine Geschichte darüber, wie der Underdog den König schlägt. Wie der Backup den Starter übertrifft. Wie Philadelphia, die Stadt die Rocky hervorgebracht hat, ihren eigenen Rocky-Moment bekommt.

Warum der Spielzug funktionierte

Aus taktischer Sicht hat die Philly Special drei Dinge perfekt gemacht:

Erstens: Die Pre-Snap-Täuschung. Foles' Gang an die Seitenlinie war geplant. Er sah aus wie ein Quarterback, der eine Auszeit nehmen will oder mit den Coaches redet. Die Patriots haben nicht registriert, dass er sich als Receiver aufgestellt hat. Misdirection vor dem Snap.

Zweitens: Die Post-Snap-Aktion. Clements Run nach rechts hat die Linebacker bewegt. Sie haben den Ball verfolgt und sich zur Line of Scrimmage committet. In dem Moment, in dem sie vorspringen, ist die rechte Seite der End Zone leer.

Drittens: Die Rollenumkehr. Foles als Receiver war für die Defense nicht auf dem Radar. In der NFL fangen Quarterbacks keine Bälle. Das ist so ungewöhnlich, dass niemand ihn gedeckt hat. Er stand allein in der End Zone wie jemand, der am falschen Treffpunkt wartet.

Die juristische Frage: War es legal?

Ja. Komplett.

Jeder Spieler auf dem Feld darf den Ball werfen, solange er sich hinter der Line of Scrimmage befindet. Burton stand hinter der Line. Jeder Spieler darf den Ball fangen, solange er ein "Eligible Receiver" ist. Foles hatte sich als Receiver aufgestellt, außerhalb der Tackles, und war damit eligible.

Legal. Kreativ. Historisch.

Was die Philly Special für Philadelphia bedeutet

In Philadelphia steht vor dem Lincoln Financial Field eine Statue. Nicht von Reggie White. Nicht von Chuck Bednarik. Eine Statue der Philly Special. Foles, Clement, Burton, eingefangen in dem Moment, der 57 Jahre des Wartens beendet hat.

Die Philly Special ist mehr als ein Spielzug. Sie ist das Symbol einer Stadt, die nie aufgibt. Die sich nicht an die Regeln hält, wenn die Regeln bedeuten, das sichere Field Goal zu nehmen. Die sagt: "Yeah, let's do it", wenn der Rest der Welt "nimm die drei Punkte" sagt.

Philadelphia ist eine Working-Class-Stadt. Rocky Balboa ist kein Zufall ein Philly-Junge. Und die Philly Special passt in diese Tradition wie ein Cheesesteak in ein Hoagie Roll.

Und dann: Super Bowl LIX

Sieben Jahre später. Gleicher Gegner (diesmal die Chiefs statt der Patriots, aber der gleiche Underdog-Spirit). Die Eagles gewinnen 40-22. Kein Trick Play nötig. Diesmal war die Dominanz so groß, dass es keinen verzweifelten 4th-Down-Call brauchte.

Aber die Philly Special hat den Weg dorthin geebnet. Sie hat gezeigt, was diese Franchise sein kann, wenn sie mutig ist. Wenn sie all-in geht. Wenn sie "Yeah, let's do it" sagt.

Häufige Fragen

Wer warf den Ball bei der Philly Special?

Tight End Trey Burton. Foles war der Receiver, der den Touchdown fing.

War die Philly Special wirklich einzigartig?

Ja. Foles ist der einzige Quarterback, der jemals einen Touchdown in einem Super Bowl gefangen hat. Andere QBs haben es versucht (Brady im gleichen Spiel), keiner hat es geschafft.

Kann man die Philly Special nochmal sehen?

Ja. YouTube, NFL.com, und jeder Eagles-Highlight-Reel auf der Welt. Aber Warnung: Es macht süchtig. Du schaust es einmal, und dann noch zwanzigmal.

Gibt es eine Statue?

Ja. Vor dem Lincoln Financial Field steht seit 2018 eine Statue, die den Moment nachbildet. Pflichtbesuch für jeden Eagles-Fan, der nach Philadelphia reist.


Teil der Eagles-Geschichte und des Eagles Guide für deutsche Fans.

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